Praxisnetztagung

KBV / ADA-Praxisnetztagung 2020

Die Agentur deutscher Arztnetze hat auch in diesem etwas anderem Jahr eine hochkarätige Veranstaltung in Zusammenarbeit mit der KBV organisiert


KBV / ADA-Praxisnetztagung 2020

Die unter den KVen und Arztnetzen bereits bekannte und beliebte KBV-/AdA-Praxisnetztagung konnte wie so viele Veranstaltungen in 2020 leider nicht als Präsenzveranstaltung durchgeführt werden. Passend zum Thema Digitalisierung sollte dies der Veranstaltung aber nicht schaden. Dank des Onlineangebots konnte dieses Jahr sogar die höchste Teilnehmerzahl mit 72 Anwesenden erzielt werden.


Und das auch ohne die Anwesenheit der beiden Grußredner Dr. Hofmeister und Dr. Ludewig, die aufgrund terminlicher Überschneidungen „nur“ ein aufgezeichnetes Grußwort senden konnten.


Anmoderiert von Herrn Dr. Gibis, der als Moderator durch den Vormittag führte, eröffnete Herr Dr. Hofmeister (KBV) mit seinem Video die Veranstaltung. Auch er freute sich, dass die Praxisnetztagung in so einem tollen Format stattfinden kann und wünschte einen interessanten Vormittag.


Herr Dr. Ludewig (Bundesministerium für Gesundheit) betonte in seiner Videobotschaft, dass Digitalisierung die Grundlage dessen ist, wie die Versorgung der Patientinnen und Patienten in Zukunft verbessert werden kann. Er bedankte sich bei den Arztnetzen, weil diese genau in diesem Punkt eine ganz zentrale Rolle spielen. Er dankte für ihren Einsatz, ihre Leidenschaft, ihre Vernetzung und ihre Vorreiterrolle nicht erst in diesenn herausfordernden Zeiten. Viele Innovationsfondprojekte mit Beteiligung der Netze zeigen, dass Vernetzung ein wesentlicher Teil moderner Versorgung ist.


Dr. Thomas Schang, Vorsitzender der Agentur deutscher Arztnetze, ging in seinem Referat anhand von konkreten Beispielen aus den ADA Netzen auf verschiedenen Aspekte der digitalen Transformation und der Telemedizin ein: verbesserte Kommunikation über sichere Verbindungen und Fallakten, digitale Abbildung und Kontrolle von Prozessen inklusive der Qualitätssicherung und telemedizinische online Sprechstunden. Eine Reihe von Aufgaben müssten auf dem Weg zur Digitalisierung allerdings noch bewältigt werden: Verbesserung der Netzabdeckung, Neudenken von Behandlungsprozessen im Sinne eines sektorenübergreifenden Change Management in der Versorgung, Richtlinien zur Datenschutzzertifizierung telediagnostischer Systeme durch akkreditierte Institute und Vergütungsysteme, die die Anwendung von Telemedizin, insbesondere auch der Telediagnostik, sektorübergreifend nicht schlechter stellen als analoge Medizin.


Es folgten Impulsvorträge von Thomas Müller ( Vorstand KVWL), Dr. Dilling (GKV-Spitzenverband) und Frau Emily Andreae (Member of Board vitagroup).


Herr Müller eröffnete seine Präsentation zu den Praxisnetzen mit einem Fußballvergleich. Viele Arztnetze spielen bereits in der Bundesliga, einige sogar schon in der Championsleague. „Hier wird qualitativ Hochwertiges geleistet“, so Müller. Gerade in Westfalen-Lippe sind zahlreiche innovative Projekte der Praxisnetze am Start. Arztnetze verfügten über genügend Innovationskraft, um Akzente zu setzen – zum Beispiel auch mit einer MVZ-Gründung. Die KVWL fordert einiges von Ihren Netzen, dafür werden sie aber auch umfangreich gefördert und unterstützt.


Herr Dr. Dilling zeigte im Anschluss die Perspektiven für die Versorgung in Praxisnetzen in Zeiten der Digitalisierung auf. Durch die Digitalisierung würden die technischen Voraussetzungen für eine koordinierte, vernetzte Versorgung geschaffen, dazu mehr Flexibilität durch Videosprechstunden und Telemedizin und neue Möglichkeiten für die Delegation. Allerdings betonte er, dass es unbedingt des persönlichen Arzt-Patienten-Kontaktes bedarf. Die persönlichen Beziehungen sind in Netzwerken entscheidend und kein Algorithmus kann einen Arzt ersetzen. „Eine große, wichtige Suchmaschine stellt keine Versorgung sicher“.


Frau Andreae referierte über die bisherige digitale Entwicklung im Gesundheitswesen, Seit 2018 sei viel passiert (TSVG, DVG, PDSG) und noch mehr wird kommen (DVPMG mit KIM, E-Rezept, E-AU etc.). Sie stellte sich der Frage, ob Telemedizin heute schon Alltag ist und merkte an, dass gerade die Pandemie hier zu einer schnelleren Akzeptanz geführt habe. Und sie gab einen Ausblick in die Zukunft: Wird es 2030 den Digital Twin oder Holo Doctor geben?


Mit diesen Zukunftsaussichten startete eine interessante Diskussion über Praxisnetze, ihre Akzeptanz und Förderung sowie ihre Rolle in den kommenden Jahren.


Die Agentur deutscher Arztnetze freut sich bereits jetzt auf die nächste gemeinsame Praxisnetztagung mit der KBV im Spätherbst 2021. So viel positives Feedback wie zu der diesjährigen Veranstaltung und ihren Referenten soll dann wieder erzielt werden.


„Auch diese Veranstaltung spielte allemal auf Championsleague Niveau“, griff Dr. Schang ein Zitat des Referenten Thomas Müller von der KV Westfalen Lippe auf.

 

Ihre Referenten

Dr. Stephan Hofmeister (KBV)
Stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Bundesvereinigung

https://www.kbv.de

Dr. Bernhard Gibis (KBV)
Leiter des Geschäftsbereiches Sicherstellung und Versorgungsstruktur im Dezernat Versorgungsmanagement der Kassenärztlichen Bundesvereinigung

Nach dem Abschluss der Facharztweiterbildung Gynäkologie und Geburtshilfe MPH-Abschluss in Hannover. Mitarbeiter der KBV seit 1998, mehrjährige Auslandsaufenthalte zu Themen der evidenzbasierten Medizin (insb. HTA) und Versorgungsplanung als Mitarbeiter internationaler Forschungseinrichtungen, zuletzt 2007/2008 für die WHO, Regionalbüro Europa (Leitung Health Information Unit). Mitglied einschlägiger Fachgesellschaften, Review-Tätigkeit für nationale und internationale Zeitschriften, Sachverständigentätigkeit u.a. für WHO und EU-Kommission. Schwerpunktthemen sind derzeit kooperative Versorgungsformen, Bedarfsplanungssysteme und Gesundheitskompetenz.

https://www.kbv.de

Dr.Thomas Schang (ADA)
Vorstandsvorsitzender der Agentur deutscher Arztnetze e.V. (AdA)

Der Facharzt für Chirurgie ist Vorsitzender des Ärztenetzes Eutin-Malente und des Dachverbandes Praxisnetze Schleswig-Holstein. Er ist zudem medizinischer Leiter des Telearztzentrums ifc Gesundheits-GmbH in Nehmten bei Eutin.

https://www.arztnetze.info

Dr. Gottfried Ludewig (Bundesministerium für Gesundheit)
Leiter der Abteilung Digitalisierung und Innovation im BMG

Zuvor war Hr. Ludewig Senior Consultant bei Pricewaterhouse Coopers GmbH und von 2011 bis 2016 sowie von September 2016 bis April 2018 Mitglied des Berliner Abgeordnetenhauses, stellvertretender Fraktionsvorsitzender und gesundheitspolitischer Sprecher. Herr Dr. Ludewig studierte Volkswirtschaftslehre und erlangte den Doktorgrad an der Technischen Universität Berlin. Im Zuge des Studiums absolvierte er ein Auslandsjahr in Rom an der Libera Università degli Studi Sociali.

https://www.bundesgesundheitsministerium.de/

Thomas Müller (KVWL)
Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe

Ressort III (u.a. Personal, Finanzen u. Controlling, Infrastruktur und Infomationstechnologie)

https://www.kvwl.de/

Dr. Julian Dilling (GKV-Spitzenverband)
Referat Bedarfsplanung, Psychotherapie und Neue Versorgungsformen im GKV-Spitzenverband

https://www.gkv-spitzenverband.de/

Emily Andreae (Member of Board vitagroup) 
Leiterin Ambulante Versorgung

Studium der Medizinökonomie in Köln, anschließend Stationen bei der Siemens AG, der Deutschen Krankenversicherung (DKV) und bei der März Internet Service AG. Ab 2009 vertiefte sie ihren Schwertpunkt E-Health bei der KoCo Connector AG, ab 2013 im Vorstand, zuletzt als dessen Vorsitzende. Seit 2017 verantwortlich für die strategische Geschäftsfeldentwicklung des Health Bereichs der adesso AG. Know-how im Bereich IT-Security, Strategisches Management, Unternehmensführung und Verbandsarbeit als stellv. Vorsitzende des AK E-Health (BITKOM). Außerdem ist sie Mitglied bei den Healthcare Frauen.

https://www.vitagroup.ag